Kremer Porsche 997 K3R: Teufelsritt über die Grüne Hölle

1979 gewann Kremer Racing mit dem Porsche 935 K3 die 24 Stunden von Le Mans. Heute geht es mit der Hommage Porsche 997 K3R mit Straßenzulassung über den Nürburgring.

Text: Jens Koch Fotos: Marcus Krüger

Rennfahrer Wolfgang Kaufmann, Spitzname „Piranha“, erwartet mich auf dem Parkplatz vor der Einfahrt zur Nürburgring-Nordschleife. Was da neben ihm flach über dem Asphalt lauert, ist nichts weniger als die Wiedergeburt des legendären Kremer Porsche 935 K3: das lange Heck mit dem riesigen Flügel, die weit ausgestellten Radhäuser mit Belüftungs- und Entlüftungsöffnungen, die typische 911-Dachlinie, die Flachbauschnauze mit dem schaufelartigen Spoiler und die charakteristischen seitlichen Aussparungen. Alle historischen Merkmale sind beim Kremer 997 K3R vorhanden, und doch steht hier kein Nachbau, sondern eine Hommage: Alles spannt sich straffer über den Wagen.

Porsche baute den 935 ab 1976 mit der charakteristischen Flachbaufront als seriennahen Rennwagen für die Gruppe 5 auf Basis des 930, also des 911 Turbo. Bis 1981 entstanden nur 73 Exemplare. In den ersten drei Jahren setzte Porsche den 935 im Werksteam ein und gewann dreimal nacheinander die Markenweltmeisterschaft. Dann zog sich der Hersteller zurück und verkaufte den 935 nur noch an private Teams. Die ersten Fahrzeuge gelangten jedoch schon 1977 an Nicht-Werksteams.

Nach dem 935 K1 von 1976 und dem K2 von 1977 baute Kremer ab 1979 den am stärksten modifizierten 935 K3: Ein Sicherheitskäfig wurde eingeschweißt, was den Wagen verwindungssteifer machte. Sogar die Spritzwand wurde nach vorne verlegt, um im Motorraum mehr Platz für den Ladeluftkühler zu schaffen. Der kühlte die Ansaugluft zudem mit Luft statt mit Wasser, was besonders bei Langstreckenrennen Vorteile brachte. Äußerlich unterscheidet sich der K3 vor allem durch den rund nach vorn gezogenen Frontspoiler und die Scheinwerfer: Während sie beim 935 hinter runden Scheiben lagen, liegen sie beim K3 weiter außen und besitzen Scheiben, die innen oval und außen gerade geformt sind.

In Le Mans fuhren die Brüder Bill und Don Whittington und Klaus Ludwig 1979 auf dem K3 zum Gesamtsieg gegen die stärkeren Prototypen. Es war das erste und einzige Mal, dass ein auf dem Porsche 911 basierter Wagen das 24-Stunden-Rennen gewann. Im selben Jahr siegte Ludwig überragend bei der DRM, dem Vorläufer der DTM: Bei 10 von 11 Rennen belegte er den ersten Platz, einmal den zweiten. Das Siegerauto trug die berühmte Jägermeister-Lackierung und ist heute wieder im Besitz von Kremer Racing. Der K3, der Le Mans gewann, war weiß mit schwarz-rot-goldenen Streifen und trug die Werbung des französischen Modedesigners Philippe Salvet.

Genau wie der neue Kremer 997 K3R, der es kaum erwarten kann, mir seine Rundstreckenqualitäten auf der Nordschleife zu beweisen: Als Hommage an den Sieg von 1979 zeigt er die Lackierung des Le-Mans-Gewinners. Er ist ein Rennwagen wie das Vorbild: Wer von außen noch nicht von den Aerodynamikanbauten überzeugt ist, dem machen die Leichtglasfenster mit Belüftungsschieber klar, wie ernst es der K3R meint. Ausgestattet mit feuerfester Rennkombi, Kopfhaube und Helm steigt mein Adrenalinpegel beträchtlich. Einmal tief schlucken, und gleich geht es im Rennwagen durch die Grüne Hölle, die Strecke ohne Auslaufzonen mit uneinsehbaren Kurven hinter Kuppen, teils schlechtem Belag und extrem hohen Geschwindigkeiten. Der kleinste Fehler hat hier fatale Folgen; fast täglich überschlagen sich hier Fahrzeuge.

Der Porsche 935 im Allgemeinen und der K3 von Kremer im Speziellen erhielten nicht nur wegen ihrer legendären Rennsiege in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit. Vor allem das kompromisslose Design, das dennoch den Straßenwagen erkennen ließ, begeistert heute Jung und Alt. Der orangefarbene Jägermeister-K3 war einer der Stars bei den Nürburgring Classics und dem AvD-Oldtimer-Grand-Prix. Kremer schont den unbezahlbaren Wagen mit der wichtigen Historie nicht: Er kämpft meist feuerspuckend mit Rennfahrerlegende Wolfgang Kaufmann am Steuer um den Sieg in seiner Klasse.

Und genau dieser Kaufmann, genannt „Piranha“, klettert jetzt hinter das Steuer, während ich die eingeschweißten Streben der Sicherheitszelle überwinde und auf der Beifahrerschale mit dem Sechspunktgurt festgezurrt werde. Mein Blick schweift über den teppichlosen Boden: Unter mir ist auf dem nackten Blech lediglich die Feuerlöschanlage verschraubt – Renntechnik pur.

Ohne Dämmung gibt es einen unverfälschten Sound. Von der Auspuffanlage mit ihrem drohenden Gewittergrollen hört man jedoch nur beim langsamen Vorrollen zum Eingang der Nordschleife etwas. Dann schaltet Piranha in den Angriffsmodus und jetzt schreien Sechszylinder-Boxer im Heck und das Getriebe kreissägenartig – und so geht es auch vorwärts. Die Kurvengeschwindigkeiten mit den Slicks und der Downforce sind beängstigend. Und vor den Kurven denkst du: „Nun muss er in die Eisen, jetzt hat er das Bremsen vergessen, wir fliegen garantiert raus!“ Doch dann wirft Piranha doch noch den Anker, so vehement, dass es Arme und Kopf Richtung Scheibe schleudert. Auf den Kuppen katapultiert es mich nach oben – gut, dass ich so fest auf die Sitzschale geschnallt wurde. Was für ein Ritt! Als wir wieder auf den Parkplatz rollen, bin ich durchgeschwitzt und glücklich. Ein Wunder, dass die Nummernschilder nach der Tortur noch an ihrem Platz sind. Moment, Nummernschilder? Ja: Der zusätzliche Buchstabe beim K3R steht für „Road“. Das Rennmonster besitzt tatsächlich eine Straßenzulassung.

Kremer hat den Wagen als Erprobungsfahrzeug auf einem der wenigen Porsche 997 GT3 Cup mit Straßenzulassung aufgebaut. Der hochdrehende Saugmotor leistet 450 PS. Die K3R-Kleinserie, die die Kölner bauen, basiert jedoch wie der 935 K3 von 1979 auf einem Turbo, genauer gesagt auf dem 997 Turbo, der mit 500 PS noch etwas mehr Leistung bietet. Durch den Umbau erinnert das Fahrzeug mit seiner extremen Optik nicht nur an den legendären Le-Mans-Gewinner 935 K3, sondern die Modifikationen sorgen auch für schnellere Rundenzeiten. Und das schon im Grundpaket mit Aerodynamikanbauten, neuem Fahrwerk und ohne Motorbearbeitung. Rund 200.000 Euro kostet es bei Kremer Racing, den eigenen 997 Turbo vom Understatement-Sportwagen zur Rennwagenikone umbauen zu lassen. Auf Wunsch legt Kremer natürlich auch bei Motor und Innenraum Hand an.

Im Gegensatz zum von Porsche 2019 in einer Kleinserie von 77 Stück gebauten neuen 935 bleibt der Kremer K3R mit 40 Exemplaren noch exklusiver und kostet dabei nur ein Drittel der 835.000 Euro.

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