Porsche 918 Spyder Fahrbericht: Hybrid-Supercar mit 887 PS im Test
Das Hybrid-Supercar mit 345 km/h Höchstgeschwindigkeit wurde nur 918-mal gebaut und begeistert mit überragenden Fahrleistungen. Wir testen den Porsche 918 Spyder in Goodwood.
Rundenrekord auf der Nordschleife: Der 918 Spyder schreibt Geschichte
Bevor wir uns beim Goodwood Festival of Speed ans Steuer setzen und uns die Spucke wegbleibt, angesichts der Beschleunigung, eine kleine Einordnung des 918 Spyders. Er wurde von 2013 bis 2015 in einer Auflage von 918 Exemplaren gebaut und ist bis jetzt der letzte Supersportwagen von Porsche. Er folgte dem 959 von 1986 und dem Carrera GT von 2003 und brach wieder Rekorde: Auf der Nürburgring Nordschleife war er mit 6:57 Minuten der erste Straßenwagen der die Schallmauer von 7 Minuten unterbot. Der 918 Spyder ist auch bis heute mit einer Höchstgeschwindigkeit von 345 km/h der schnellste Porsche mit Straßenzulassung. Zusammen mit dem McLaren P1 und dem Ferrari LaFerrari galt der 918 Spyder als heilige Dreifaltigkeit des neuen Supercar-Zeitalters.
Porsche 918 Spyder Cockpit: Maximal 9.150 Umdrehungen schafft der V8.
Fahrbericht in Goodwood: Der Porsche 918 Spyder im Einsatz
Die Luft flimmert von der Hitze, Achtzylindermotoren röhren, und der Geruch von hochoktanigem Rennbenzin umweht die mit Heuballen gesicherte Strecke. „Throttle, a bit more throttle!" Mehr Gas, fordert Instruktor Gordon Robertson auf dem Beifahrersitz des Porsche 918 Spyder. Gerne, schließlich wollen wir den dicht gedrängten Zuschauern an der Strecke des berühmten Hill Climb in Goodwood etwas bieten. Da können die 120 km/h, die zurzeit auf dem Tacho stehen, nicht das Finale sein.
Ich presse das Pedal des Porsche 918 Spyder in die Fußmatte. Der bisher rein vom 608-PS-Achtzylinder im Heck angetriebene Supersportwagen schaltet urplötzlich seine Elektromotoren mit 279 PS zu — und springt nach vorn wie ein Raubtier auf seine Beute. Eine derartige Beschleunigung kann man mit keinem Verbrennungsmotor erleben. Denn der benötigt immer einen Augenblick, um seine Leistung zu entfalten. Die beiden Elektromotoren fallen dagegen so ansatzlos über die Achsen des Hybridwagens her, als hätte man den Warp-Antrieb aktiviert.
So geht es in 2,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und in 7,2 Sekunden von null auf 200 km/h. „Gently, gently!", mahnt Gordon, nicht zu übertreiben. Aber natürlich beißen die Keramikbremsen den 918 vor der nächsten Kurve ebenso brutal wie rechtzeitig wieder herunter. Hier macht sich auch die aktive Aerodynamik bemerkbar, die den Wagen auf die Straße presst. Je nach Fahrmodus und Geschwindigkeit verstellen sich die Lufteinlässe und der Heckflügel.
Der Porsche 918 Spyder beamt sich den Goodwood Hill Climb hinauf.
Weissach-Paket: Gewicht sparen für maximale Performance
Zur rasanten Beschleunigung trägt auch der Leichtbau bei: Dank des Carbon-Monocoque kommt der Wagen mit V8 zwei Elektromotoren und der 100 Kilogramm schweren Batterie auf 1674 Kilogramm. Bei dem 918, in dem ich sitze, sorgen die Titanschrauben des optionalen Weissach-Pakets zusammen mit Magnesiumfelgen sogar für ein 41 Kilogramm geringeres Gewicht. Das Paket allein kostete 71.400 Euro. Das fällt jedoch bei einem Neupreis von 768 000 Euro für den 918 Spyder nicht mehr groß ins Gewicht. Die 918 Exemplare waren schnell ausverkauft, und die Gebrauchtpreise liegen deutlich höher: Unter 1,3 Millionen geht nichts.
Am Wendeplatz klettern wir entspannt aus unserem klimatisierten und bequemen Renner, während Walter Röhrl schwitzend aus seinem aufgeheizten Porsche 356 A 1500 GS Carrera Coupé von 1956 steigt. Ähnlich geht es weiteren Veteranen im Porsche 917 und den anderen legendären Rennwagen, die alle ohne Klimaanlage auskommen müssen. Zudem bieten die Sportschalensitze mit Alcantaramittelteil und Lederwangen im 918 guten Seitenhalt und bleiben dabei ausreichend bequem.
Auch der 918 Spyder zeigt das typische Vier-Augen-Lichtdesign.
Goodwood Festival of Speed: Eine Bühne für Porsche-Legenden
Das Festival of Speed in Goodwood ist ja so etwas wie das Woodstock-Festival der Auto- und Oldtimerliebhaber: groß, bunt und mit hochkarätigen Stars. Diese Stars sind vor allem Rennwagen der letzten 100 Jahre von allen Herstellern, die sich hier aus der Nähe betrachten lassen. Und nicht nur das: Man kann sie auch hören und riechen, denn sie rasen über die Strecke, pilotiert oftmals von den Helden, mit denen sie ihre Rennerfolge errungen haben. Der perfekte Ort also für Porsche, seine Sportwagen zu feiern.
Den allerersten, 1948 gebauten 356 mit der Nummer 1 hat Porsche ebenso nach Goodwood mitgebracht wie 20 andere historisch bedeutsame Fahrzeuge — vom Formel-1-Renner 804 von 1962 bis zum vom Langstreckenrennwagen abgeleiteten 919 Hybrid Evo, der im Juni 2018 den neuen Rundenrekord auf der Nordschleife aufstellte. Auch unser 918 Spyder hat eine Bestzeit auf dem Nürburgring herausgefahren: Als erstem Serienfahrzeug gelang es ihm, die Nordschleife in unter sieben Minuten zu umrunden.
Der Porsche 918 Spyder zieht Blicke magisch an.
Luxus trifft Nachhaltigkeit: Alltagstaugliche Hybridtechnik
Zurück zum Goodwood House surren wir im ansonsten hochdrehenden und schreienden Tross mit unserem Porsche 918 Spyder rein elektrisch, was nicht nur wegen der verdutzten Gesichter der Strecken-Marshals ein Spaß ist. Das Geräusch hat etwas Kraftvolles, erinnert an ein Raumschiff. Bis 150 km/h können die Elektromotoren den 918 Spyder beschleunigen. Und bis zu 40 Kilometer schafft er rein elektrisch, bevor der Achtzylinder anspringt. Der Porsche 918 Spyder tankt Strom und Benzin, braucht nach Norm aber nur unglaubliche drei Liter auf 100 Kilometer. Der Wagen fährt sich spielerisch leicht ohne jede Supersportwagen-Allüren und wirkt solide wie ein Großserienfahrzeug.
Testfahrtvideo vom Porsche 918 Spyder in Goodwood
Sogar einen Kofferraum bietet der 918 Spyder, unter der vorderen Haube und mit 110 Litern ist er fast so groß wie der des 911. Die einfach abnehmbaren Dachhälften lassen sich dort verstauen, dann kann man die Straßen offen genießen und den Sound des V8-Motors.
Auf dem Kiesrondell vorm Goodwood House parken wir alle Porsche-Fahrzeuge im Kreis. Ein Orchester spielt, ein Feuerwerk entfaltet sich am Himmel, und die fahnenschwenkende Menge jubelt den Sportwagen und uns zu. Sogar Walter Röhrl zeigt sich beeindruckt: „Ich bin überzeugt, dass in nächster Zeit kein solcher Moment kommt, wo man alle diese Porsche-Typen auf einem Fleck sehen kann. Das war doch einfach der Hammer."
Der 918 Spyder im Porsche-Lineup Goodwood.
Design und DNA: Die Verbindung zwischen 918 Spyder und 911
Das Design des 918 Spyder beeindruckt schon im Stand: dynamisch, elegant mit fließenden Linien. Seitlich erkennt man Anleihen am Carrera GT mit den großen Lufteinlässen hinter den Türen. Auch das Heck erinnert an den Vorgänger: bis zwischen die Rücklichter heruntergezogener Rücken, der ausfahrbare, dezente Flügel darüber und die Spyder-typischen zwei Buckel hinter den Sitzen. Spektakulär zeigt sich der nur mit einem Gitter abgedeckte V-8-Motor mit den zwei oben endenden Auspuffrohren. Zumindest mit dem Vorderwagen nimmt der 918 Anleihen beim 911er. Daher ist er gut als Porsche erkennbar. Die Geschichte der über 70 Jahre Porsche-Fahrzeuge, vom ersten 356 bis zum 345 km/h schnellen 918 Spyder, erzählt also nicht nur vom rasanten technischen Fortschritt, sondern auch von einer Kontinuität im Design.
Den 918 Spyder zu fahren, war für Jens Koch im wahrsten Sinne atemberaubend.
Der 911 Turbo S ist mit Allrad und 650 PS der stärkste und schnellste Porsche-Sportwagen. Wir haben ihn für den Fahrbericht als Cabrio die Serpentinen auf einen der höchsten und spektakulärsten Alpenpässe hochgejagt: dem Stilfser Joch auch bekannt unter seinem italienischen Namen Stelvio.