Porsche 981 Bergspyder: Warum wurde dieses coole Modell nicht gebaut?
Als Hommage an den legendär leichten 909 Bergspyder baute Porsche auf Basis des Boxster 981 einen offenen Einsitzer als Prototyp. Leider ging das Projekt nie in Serie.
Das Vorbild für den 981 Bergspyder war der 909 Bergspyder. Porsche hatte den Rennwagen 1968 für die Europa-Bergmeisterschaft entwickelt. Der Vorgänger 910 Bergspyder hatte die Meisterschaft im Vorjahr gewonnen. Ferrari hatte jedoch angekündigt, 1968 mit einem neuen Fahrzeug an den Start zu gehen, und daher entwickelten die Porsche-Ingenieure ebenfalls einen neuen Rennwagen.
Der 1968 gebaute 909 Bergspyder ist mit 384 Kilogramm der leichteste Porsche-Rennwagen.
Mit unglaublichen 384 Kilogramm Trockengewicht ist der 909 Bergspyder der leichteste Porsche-Rennwagen aller Zeiten. Erreicht wurde das mit innovativem und extremem Leichtbau: Die Kunststoffkarosserie sitzt auf einem Aluminium-Gitterrohrrahmen, der nur 15 Liter fassende Tank ist ein Titandruckbehälter. Die vorderen Schraubenfedern bestanden ebenfalls aus Titan. Die Bremsscheiben fertigte Porsche aus Beryllium. Das war allerdings so teuer, dass lediglich eines der nur zwei gebauten Fahrzeuge damit ausgerüstet wurde. Für den Antrieb sorgte nicht etwa ein Vier- oder Sechszylindermotor, Porsche baute einen luftgekühlten Achtzylinder-Boxermotor mit 2 Litern Hubraum und 275 PS ein.
Rolf Stommelen erreichte mit dem 909 Bergspyder beim Gaisbergrennen in Österreich Platz Drei und am Mont Ventoux in Frankreich den zweiten Rang. Die beiden Veranstaltungen blieben die einzigen Renneinsätze des leichten Wagens. Die Bergmeisterschaft 1968 gewann Gerhard Mitter im alten 910 Bergspyder.
Porsche 981 Bergspyder und 909 Bergspyder im Vergleich von der Seite.
Fast 50 Jahre später, 2015, beauftragt der Porsche-Vorstand eine kleine Entwicklungstruppe, auf Basis des 981 Boxsters ein leichtes und puristisches Fahrzeug zu entwerfen. Das Designteam um Michael Mauer fühlte sich an den historischen Rennwagen erinnert und übernahm den Namen Bergspyder und ließ sich von der weiß-grünen Lackierung des 909 inspirieren.
Die Entwickler konstruieren einen einsitzigen Sportwagen, ohne Verdeck, ohne Türgriffe und ohne Frontscheibe. Wie bei den Porsche-Bergrennwagen aus den späten 1960er-Jahren zieht sich nur ein flacher, durchsichtiger Windabweiser, der in den Türen ausläuft, um den Fahrer. Das Team aus Ingenieuren und Designern kreiert eine Abdeckung, die sich von der Frontscheibe bis hin zum Motorraum erstreckt. Diese Persenning – eine Hommage an den Porsche 356 Speedster von 1954 – besteht zunächst aus Kunstleder, gedacht ist im nächsten Entwicklungsschritt an ein Bauteil aus Kohlefaser.
Ein seltenes Bild: Das Einzelstück Porsche 981 Bergspyder und der in zwei Exemplaren gebaute 909 Bergspyder gemeinsam unterwegs.
Aus diesem Werkstoff bestehen auch beide Hauben. Das Armaturenbrett wird komplett umgestaltet, mit Elementen des Porsche 918 Spyder versehen und im Stil des Supersportwagens neu und eigenständig aufgebaut. Auch der Sitz stammt aus dem Technologieträger. Die Beifahrertür lässt sich öffnen, dahinter verbirgt sich ein weiterer Kofferraum, der Platz für eine Helmablage, abnehmbare Abdeckung für den Fahrerplatz und weiteres Gepäck bietet.
Nach der Leichtbau-Kur mit reduziertem Dämmmaterial und gewichtsoptimierten Bauteilen wiegt der fahrfertige 981 Bergspyder 1.130 Kilogramm. Angetrieben vom 3,8 Liter großen und auf 393 PS gesteigerten Boxermotor aus dem Cayman GT4 kommt der Bergspyder auf ein Leistungsgewicht von exakt 2,8 Kilogramm pro PS. Beschleunigungswerte knapp über vier Sekunden von null auf 100 km/h und eine Nürburgring-Zeit von rund 7:30 Minuten rücken in realistische Nähe.
Allerdings bleibt fraglich, ob ein solches Fahrzeug in allen wichtigen Märkten eine Zulassung bekommen würde. Damit reduzieren sich auch die möglichen Verkaufszahlen, und die Wirtschaftlichkeit des Projekts ist fraglich. Es wird eingestellt. Der fahrfähige Prototyp bleibt ein Einzelstück und geheim. Erst 2019 wird er beim Gaisbergrennen, wo der 909 Bergspyder 51 Jahre zuvor seine Rennpremiere feierte, der Öffentlichkeit präsentiert.
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Porsche Unseen Special Edition
Der 981 Bergspyder und viele weitere geheime Prototypen finden sich auch im Buch „Porsche Unseen“, das nun als Special Edition verfügbar ist: Auf 416 Seiten werden die Designstudien mit beeindruckenden Fotos von Stefan Bogner und aufschlussreichen Texten von Jan Karl Baedeker im Detail vorgestellt. Zusammen mit zwei hochwertigen Kunstdrucken präsentiert sich diese Edition im edlen Schuber. Die auf 2.000 Exemplare limitierte und von Stefan Bogner signierte vergrößerte Special Edition kostet 148 Euro.
Was sagt ihr zu dem Projekt? Schreibt es gerne in die Kommentare.
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