Porsche Carrera GT: Wie der Supersportler zum V10-Motor kam
Vor einem Vierteljahrhundert wurde der Carrera GT vorgestellt. Er war in mehrfacher Hinsicht innovativ, seinerzeit der schnellste Straßenwagen und der erste und einzige Porsche mit 10-Zylinder-Motor.
Es war ein eindrucksvoller Moment: Walter Röhrl fuhr den offenen Prototyp des Carrera GT, eskortiert von Polizei-Motorrädern, im Jahr 2000 durch den Nieselregen von Paris zum Automobilsalon. Dort feierte der für Porsche ungewöhnliche Supersportwagen seine Premiere.
Walter Röhrl fuhr den Carrera-GT-Prototyp im Jahr 2000 mit Motorrad-Eskorte zum Auto-Salon in Paris.
Enorme Fahrleistung und Topspeed
Neben dem spektakulären Design beeindruckten die Fahrleistungen des von 2003 bis 2006 gebauten Mittelmotor-Sportwagens: 612 PS trafen auf 1.380 kg Leergewicht und ermöglichten einen Sprint auf 100 km/h in 3,9 Sekunden sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 334 km/h. Zudem erreichte der Carrera GT auf der Nordschleife mit 7:32,44 Minuten eine neue Rekordzeit für Straßenfahrzeuge.
Der Porsche Carrera GT war seinerzeit der schnellste Straßenwagen auf der Nordschleife.
Der V10-Rennmotor
Einen 10-Zylinder-Motor in ein Straßenauto einzubauen, hatte sich zuvor nur Dodge 1992 mit der Viper getraut. Seit einer Reglementänderung 1989 waren V10-Motoren in der Formel 1 üblich. Allerdings war dort der Hubraum auf 3,5 Liter begrenzt. Tatsächlich wurde das Triebwerk des Carrera GT ursprünglich für die Königsklasse des Rennsports entwickelt. Allerdings stoppte die Marke ihr Engagement in dieser Rennserie, bevor ein Fahrzeug fertiggestellt war. Den Motor entwickelte Porsche für ein Geheimprojekt weiter: Im Jahr 2000 sollte mit einem Fahrzeug der Prototypenklasse LMP900 der Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans erreicht werden. 1998 war Porsche das zwar mit dem 911 GT1 gelungen. Aber der in der seriennahen GT1-Klasse antretende und daher schwächere Wagen profitierte davon, dass viele LMP-Fahrzeuge ausfielen.
1999 war der Porsche LMP 2000 genannte offene Rennwagen mit dem 5,5-Liter-V10 fertig entwickelt. Allerdings stoppte das Porsche-Management aus Kostengründen die weiteren Vorbereitungen und die Rennteilnahme. Der Öffentlichkeit gegenüber wurde dieses Projekt verschwiegen. Der Motor wurde dann für den Supersportwagen Carrera GT auf 5,7 Liter vergrößert und auf Langzeithaltbarkeit getrimmt.
Geheimprojekt LMP 2000: Porsche wollte mit dem Wagen Le Mans gewinnen, stoppte das Projekt aber. Den Motor bekam dann der Carrera GT.
Roland Kussmaul war für die Entwicklung zuständig, Walter Röhrl übernahm die Abstimmungsfahrten. Nach seiner Aussage war einiges zu tun, bis der rennnahe Wagen mit Hinterradantrieb auch von Amateuren einigermaßen sicher bewegt werden konnte.
Innovationen und Leichtbau
Der Motor war aber nicht die einzige Übernahme aus dem Rennsport. Es wurde auch innovativer Leichtbau betrieben. Möglich machte das geringe Gewicht der großzügige Einsatz von Carbon. So war der Carrera GT das erste Serienauto mit Monocoque aus Carbon. Die beiden herausnehmbaren Dachhälften bestehen ebenfalls aus Carbon und lassen sich im vorderen Kofferraum verstauen.
Und dann gab es weitere Technologien aus dem Rennsport, die für den Straßenwagen angepasst wurden: Zum einen hatte der Carrera GT als erster Porsche mit Nummernschildern die leistungsstarke und leichte Carbon-Keramik-Bremsanlage PCCB. Zum anderen gab es eine patentierte, leichte Zwei-Scheiben-Keramik-Trockenkupplung, die PCCC getauft wurde. An den Rennsport erinnerten auch die Felgen mit Zentralverschluss, der blau für die rechten und rot für die linken Räder gekennzeichnet war. Die Zentralverschlussfelgen übernahm Porsche später für 911-GT-, Turbo- und GTS-Modelle.
Der automatisch ausfahrende Spoiler und das Luftleitsystem im Unterboden Sorgen beim Carrera GT für Abtrieb.
Damit der Wagen bei hohen Geschwindigkeiten beherrschbar blieb, sorgten der bei 120 km/h automatisch weiter ausfahrende Spoiler und das Luftleitsystem am Boden für Abtrieb. Im Innenraum setzte sich der Leichtbau mit Carbon-Aramid-Schalensitzen fort. Der Schaltknauf aus Schichtholz der Sechsgang-Handschaltung erinnerte a den legendären Rennwagen 917.
Exklusivität und Preise
Von den geplanten 1.500 Exemplaren wurden 1.270 gebaut und an Kunden ausgeliefert. Das dürfte auch an dem für damalige Verhältnisse extrem hohen Preis von 452.690 Euro gelegen haben. Wer damals einen Carrera GT gekauft hat, kann sich aber freuen: Die Fahrzeuge werden heute für rund 1,4 Millionen Euro gehandelt und haben ihren Wert also verdreifacht.
Fazit
Der Carrera GT stellt mit seinem einzigartigen V10-Motor und dem innovativen Leichtbau einen Meilenstein dar. Die hohen Preise zeigen, wie begehrt der Supersportwagen heute ist. Wie wichtig er Porsche selbst ist, erkennt man daran, dass die Marke zusammen mit Michelin gerade erst neue Reifen für den 25 Jahre alten Wagen entwickelt hat, um Performance und Bremsleistung weiter zu verbessern. Und tatsächlich unterbot Jörg Bergmeister Ende 2024 mit 7:12,69 Minuten die alte Nordschleifenzeit um rund 20 Sekunden.
Porsche entwickelte zusammen mit Michelin 2024 neue leistungsstarke Reifen für den Carrera GT.
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