Porsche 911 Carrera RS 2.7 und Sport Classic: Der Entenbürzel-Spoiler

Porsche 911 Carrera RS 2.7 1972 Entenbürzel

Der Porsche 911 Carrera RS 2.7 war 1972 der erste Straßenwagen mit Bug- und Heckspoiler. Der anfangs als Entenbürzel verspottete Anbau machte ihn zum schnellsten Sportwagen seiner Zeit. Die Form wurde zum Kult, blieb aber selten.

Der Porsche 911 Carrera RS 2.7 war 1972 der erste Straßenwagen mit Bug- und Heckspoiler. Der anfangs als „Entenbürzel“ verspottete Anbau machte ihn zum schnellsten Sportwagen seiner Zeit. Die Form wurde zum Kult, blieb aber selten.

Der Entenbürzel-Spoiler gehört längst zu den Designelementen mit Ikonenstatus. Dabei waren anfangs nicht einmal die Porsche-Vertriebsleute begeistert. Sie glaubten 1972 nicht, dass sich mehr als 100 Fahrzeuge vom 911 Carrera RS 2.7 verkaufen ließen. 500 hätten es aber sein müssen, um den Rennwagen zu homologieren. Der Erfolg stellte sich jedoch schnell ein: Schon nach einem Monat waren die 500 Exemplare verkauft, und Porsche baute am Ende sogar 1.580 Carrera RS.

911 Carrera RS 2.7: Geburt des Entenbürzels

Porsche 911 Carrera RS 2.7 1972

Porsche 911 Carrera RS 2.7 von 1972: Der Entenbürzel machte ihn zum schnellsten Straßenwagen.

Der Carrera RS war als besonders leichter Straßenrennwagen geplant. Er wog unter 1.000 Kilogramm, und der 2,7 Liter große 6-Zylinder-Boxermotor leistete 210 PS. Bei der Erprobung zeigte sich bei hohen Geschwindigkeiten ein negativer Effekt: Das Fahrzeug wurde noch leichter. Kein Wunder, denn im Grunde hat so ein Wagen ein Profil wie ein Flugzeugflügel – die obere Fläche ist gewölbt und damit länger als die untere, gerade Fläche. Dadurch muss die Luft oben schneller strömen, was einen Unterdruck erzeugt, der den Flügel oder das Fahrzeug nach oben zieht.

Um dem entgegenzuwirken, tüftelten die Entwickler erstmals an einem Heckspoiler, testeten ihn im Windkanal sowie auf Versuchs- und Teststrecken. Ziel der Überlegungen war es, den formal geschlossenen Charakter des 911 zu erhalten, den Nachteil des abfallenden Hecks durch geeignete und stilistisch vertretbare Maßnahmen zu kompensieren und damit die Aerodynamik des 911 zu verbessern. Der neue „Entenbürzel“ drückte mit seiner Erhebung den 911 Carrera RS 2.7 bei schneller Fahrt Richtung Straße und versorgte den Heckmotor mit zusätzlicher Kühlluft. Dabei reduzierte sich sogar der Luftwiderstand: Die Höchstgeschwindigkeit wuchs um 4,5 km/h.

Porsche911 Carrera RS 2.7 Windkanal

Tests im Windkanal ließen die Entwickler die optimale Form für Abtrieb und Luftwiederstand ees Carrera RS finden.

Dank des Spoilers war der Carrera RS 2.7 mit 245 km/h Spitze und einer Beschleunigung von 0–100 km/h in 5,8 Sekunden damals der schnellste Straßenwagen. Der Entenbürzel wurde zum Patent angemeldet. Beim Nachfolger Carrera RS 3.0 wurde der Spoiler weiterentwickelt – zu einer Form, die der 911 Turbo berühmt machen sollte: der Walflosse.

997 Sport Classic: seltene Hommage

Porsche 997 Sport Classic Entenbürzel

997 Sport Classic: Nur 250-mal baute Porsche das Sondermodell mit Entenbürzel, Doppelkuppeldach und breiter Karosserie.

Die Entwicklung der Spoiler mochte zwar fortschreiten, doch der Entenbürzel war nicht vergessen. Es sollte trotzdem bis 2009 dauern, bis er wieder an einem 911 zu sehen war. Das Sondermodell Sport Classic war eine Hommage an den Carrera RS 2.7: Fuchsfelgen, hinten breite Karosserie, Handschaltung. Weitere Highlights waren das „Double-Bubble“-Dach, das ursprünglich Platz für die Helme von Fahrer und Beifahrer schaffen sollte, sowie die Lackierung in ausschließlich Sport-Classic-Grau mit zwei dunkleren Längsstreifen.

Porsche 997 Sport Classic

Den Porsche 997 Sport Classic gab es nur im exklusiven Grauton mit helleren Streifen.

Kombiniert wurde dies mit modernen Zutaten wie der Keramikbremse. Der 3,8-Liter-Motor aus dem GTS leistete 408 PS. Das Modell war auf lediglich 250 Exemplare limitiert, die schon nach 48 Stunden ausverkauft waren.

996 Classic Club Coupe: US-Unikat

Nach Amerika ging 2009 kein einziges der 250 Sport-Classic-Modelle. Wegen des geänderten Dachs war der Wagen dort nicht zulassungsfähig. Die Trauer darüber war beim Porsche Club Nordamerika so groß, dass man 2019 beschloss, zusammen mit Porsche einen 996 im Stil des Sport Classic zu restaurieren.

Porsche 996 Classic Club Coupe

Für den Porsche Club Nordamerika baute Porsche einen 996 im Stil des Sport Classic um und nannte ihn Classic Club Coupe.

In Zuffenhausen bekam der gebrauchte 911 Carrera Baujahr 1998 nicht nur den Entenbürzel und das Double-Bubble-Dach, sondern auch gleich Fahrwerk und Motor vom 996 GT3. Nach drei Jahren Arbeit war das Unikat 2022 fertiggestellt. Auf einer Auktion ersteigerte Comedian und Porsche-Fan Jerry Seinfeld den Wagen für unglaubliche 1,2 Millionen Dollar.

Das Einzelstück Classic Club Coupe dürfte mit 1,2 Millionen Euro der teuerste 996 sein.

992 Sport Classic: Jubiläums-Bürzel

Etwas später im Jahr 2022, zum 50. Geburtstag des Entenbürzels, legte Porsche den zweiten limitierten Sport Classic auf – auf Basis der Baureihe 992 und mit dem Motor des 911 Turbo, der hier 550 PS leistet und nur die Hinterräder antreibt. Ein Handschaltgetriebe mit sieben Gängen. Der Wagen hat die breite Turbo-Karosserie, den Entenbürzel und das Doppelkuppeldach.

Porsche 992 Sport Classic Seite

Für uns einer der schönsten 911: Limitierter Porsche 992 Sport Classic.

Wie schon beim ersten 911 Sport Classic (Typ 997) von 2009 ließen sich die Designer bei der exklusiven Lackierung der Kleinserie vom Modegrau der frühen Porsche 356 inspirieren und kreierten die Farbe Sportgraumetallic. Alternativ zu diesem Farbton war der Sport Classic auch in Schwarz Uni, Achatgraumetallic, Enzianblaumetallic oder einer Farbe nach Wahl erhältlich. Lackierte Doppelstreifen auf Fronthaube, Dach und Heckspoiler in Sportgrau Hell unterstreichen die sportliche Optik. Innen erinnern die Sitze aus Leder und Pepita an die Porsche der 60er- und frühen 70er-Jahre.

Der Porsche 992 Sport Classic besitzt das Doppelkuppeldach, einen exklusiven Grauton, Streifen und Startnummer.

Der 992 Sport Classic war auf 1.250 Exemplare limitiert. Wer heute einen Sport Classic kaufen möchte, muss mindestens 360.000 Euro einplanen – sowohl für den seltenen 997 als auch für den begehrten 992.

991 Sport Design Paket: Günstiges Kultdesign

Wer mitgerechnet hat, kommt in Summe auf 3.081 Fahrzeuge mit Entenbürzel. Hat Porsche tatsächlich nur so wenige 911 mit dem charakteristischen Heckspoiler gebaut? Nein, denn 2012, zum 40. Geburtstag des markanten Spoilers, stellte Porsche das Sport-Design-Paket für die Baureihe 991 vor. Und das beinhaltete tatsächlich einen Entenbürzel.

Der 991 mit Sport Design Paket ist die günstigste Möglichkeit einen 911 mit originalen Porsche-Entenbürzel zu fahren.

Das Paket wurde nicht häufig gewählt, wirkt sich auf den Gebrauchtpreis kaum aus und lässt sich im Porsche Zentrum noch heute nachrüsten. Das kostet rund 3.700 Euro plus Lackierung und Einbau.

Fazit

Der Entenbürzel machte den 911 Carrera RS 2.7 zum schnellsten Sportwagen seiner Zeit und zum ersten Straßenwagen mit Spoilern an Front und Heck. Auch wenn die Entwicklung weiterging und sich andere Spoilerformen etablierten, wurde der Entenbürzel zum Kult. Vor allem die beiden limitierten Sport-Classic-Sondermodelle von 997 und 992 setzten dem markanten Spoiler ein Denkmal und sind begehrte Sammlerfahrzeuge. Mit dem 991 mit Sport Design Paket wird der Kultspoiler erschwinglich.

Seid ihr Fans des Spoilers? Ober bevorzugt ihr die klassische 911-Flyline? Schreibt es gerne in die Kommentare!


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