Porsche 911 Höhenrekord: 6.734 m — höher ist kein Auto je gefahren

Porsche 911 Höhenrekord

Ein kleines Team um den Rallye- und Langstrecken-Rennfahrer Romain Dumas erreichte in den Anden mit einem modifizierten 911 eine Höhe von 6.734 Metern. Höher ist noch kein Auto zuvor aus eigener Kraft gekommen.

2019 kam bei Porsche die Idee auf, mit dem 911 den Höhenrekord für Autos zu knacken. Frank-Steffen Walliser, damals Baureihenleiter des 911, wollte die Herausforderung angehen. Das Unterfangen stellte sich nach kurzer Recherche als ambitioniert heraus: Zwar gab es mit dem Ojos del Salado, dem mit 6.893 Metern zweithöchsten Berg Südamerikas, einen geeigneten Ort, bei dem der Hang zumindest theoretisch nicht zu steil für ein Fahrzeug war. Allerdings hatten sich hier schon einige Teams mit echten Geländewagen versucht und mit dem Toyota Land Cruiser (6.358 m) sowie dem Jeep Wrangler (6.646 m) neue Weltrekorde aufgestellt, bevor es nicht mehr weiterging. Eine von Mercedes unternommene Expedition mit einem Unimog erreichte 2019 sogar eine Rekordhöhe von 6.694 Metern.

Und jetzt sollte der flache Sportwagen 911 noch höher kommen? Es war klar, dass für den Versuch einige Umbauten nötig waren. Zunächst wählte man als Basis den 911 (992) Carrera 4S mit 450 PS und Allradantrieb. Mit verbauten Portalachsen und großen Geländerädern brachte die Expeditionsgruppe den Wagen auf 350 Millimeter Bodenfreiheit. Die für die Geländegängigkeit wichtigen kurzen Überhänge vorne und hinten verringerten sich dadurch ebenfalls.

Porsche 911 Höhenrekord Chile Schotterhang

Der modifizierte 911 Carrera 4 S wühlt sich einen steilen Schotterhang hinauf.

Ein weiteres Problem stellte die dünne Luft dar. Ab 6.500 Höhenmetern greifen Bergsteiger in der Regel auf zusätzlichen Sauerstoff in Druckflaschen zurück. Auch für den Verbrennungsmotor ist der geringe Sauerstoffpartialdruck eine Herausforderung. Doch wie problematisch die Höhe für ein Fahrzeug ist, darüber gibt es kaum Studien, denn nur eine Handvoll Autos hat jemals die 6.000-Meter-Marke überschritten.

Glücklicherweise hatte Porsche für die Entwicklung eines Flugmotors in den 1980er-Jahren eine Höhensimulationskammer gebaut. Damit testete man den drei Liter großen Sechszylinder-Boxermotor mit Biturbo und konnte ihn mit wenigen Anpassungen des Steuergeräts fit für die Höhe machen. Zudem wurde ein System verbaut, das für eine geländeunabhängige Dämpfung und damit für mehr Traktion bei großer Verschränkung sorgt. Ein Überrollkäfig sollte die Sicherheit des Fahrers erhöhen. Der Wagen wurde auf den Namen „Doris“ getauft.

Porsche 911 Höhenrekord E-Fuel

Betankt wurde der 911 mit in Chile hergestelltem E-Fuel aus erneuerbaren Energien.

Nach einigen vielversprechenden Erprobungsfahrten im Steinbruch plante man die Expedition nach Chile, und noch im Dezember 2019 ging es los. In den Anden angekommen, standen langwierige Höhenakklimatisierungen auf dem Programm. Mit dem britischen Offroad-Fahrer Ian Brown am Steuer schaffte es die Truppe, bis auf 6.100 Höhenmeter vorzudringen. Allerdings zwang ein aufkommender Schneesturm die Expedition zur Umkehr.

Wegen der Corona-Pandemie dauerte es einige Zeit, bis der nächste Versuch unternommen werden konnte. Ende 2022 ging es dann wieder los – diesmal mit Romain Dumas, der nicht nur in Le Mans mehrmals gewonnen hatte, sondern auch Rallyes und das Pikes-Peak-Bergrennen. Sein Rennteam RD Limited baute ein Schwestermodell namens „Edith“ auf. Es war deutlich leichter und erhielt Räder, die einen reduzierten Reifendruck von nur 0,4 bar ermöglichten. Ein Steer-by-Wire-System wurde eingebaut, um die Lenkung vor Beschädigungen zu schützen und die Fahrt im extrem steinigen Gelände zu vereinfachen. Beide Wagen waren mit leichten, aber extrem widerstandsfähigen Unterbodenverkleidungen aus Aramidfasern ausgerüstet, um sie vor scharfkantigem Fels zu schützen.

Porsche 911 Höhenrekord Romain Dumas

Auch Rennfahrer Romain Dumas wurde am Steuer des Porsche 911 bei der Höhenexpedition alles abverlangt.

In diesem Sommer war es jedoch in der Höhe mit bis zu -30 Grad besonders kalt, und es gab ungewöhnlich viel Eis und Schnee, was die Fahrt auf einer Höhe von etwas über 6.000 Metern stoppte. Es half alles nichts: Die Expedition musste abgebrochen werden.

Ende 2023 zog die Mannschaft um Dumas erneut nach Südamerika. Dabei waren auch Bergsteiger, einheimische Bergführer und erfahrene Alpinmediziner. Die Expedition nahm sich zwei Wochen Zeit, um sich langsam an die Höhenlage zu gewöhnen und Tag für Tag an Höhe zu gewinnen. Das Team überwachte nicht nur die erreichte Höhe, sondern auch die Herzfrequenz, das Schlafverhalten und den Kalorienverbrauch der Teilnehmer mithilfe von Connected Smartwatches, die Uhrenpartner TAG Heuer bereitgestellt hatte. Die ermittelten Werte wurden von den Ärzten des Teams überwacht.

Porsche 911 Höhenrekord Eisfeld

Trotz professioneller Vorbereitung war die Expedition alles andere als ungefährlich.

Die Fahrzeuge wurden mit in Chile aus regenerativer Energie hergestelltem E-Fuel betankt. Anders als im Jahr 2022 fand das Team in den höheren Lagen des Vulkans diesmal wenig Schnee vor. Die Herausforderungen blieben dennoch immens – beispielsweise bei der Suche nach einem Weg durch die Geröllfelder. Der 911 durchquerte tiefen Schotter und steile Hänge.

Am Samstag, den 2. Dezember, um 3:30 Uhr morgens brach die Truppe zur letzten Passage auf. Um 15:58 Uhr erklomm „Edith“ den 6.734 Meter hohen Westgipfel des Ojos del Salado. Der 911 erreichte aus eigener Kraft eine Höhe, die noch kein anderes Auto vor ihm erreicht hatte.

Porsche 911 Höhenrekord Gipfel

Am Ziel: Der 911 hat den 6.734 Meter hohen Westgipfel des Ojos del Salado erreicht — ein neuer Höhenrekord für Autos.

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