Porsche 911 GT2 RS: Die ultimative Straßensportmaschine im Detail
Was kommt raus, wenn man den GT3 RS mit einem 911 Turbo S kreuzt und das Ganze ordentlich nachschärft? Genau, der GT2 RS. Mit 700 Turbo-PS und einem Topspeed von 340 km/h ist der 991 GT2 RS noch immer der stärkste und schnellste 911. Wie kam es dazu? Was macht ihn aus? Und wann kommt der Nachfolger?
Der 911 GT2 RS ist die vom 911 Turbo abgeleitete Rennsport-Version mit Straßenzulassung. Im Gegensatz zum als schnellem Reisewagen ausgelegten Turbo hat er keinen Allradantrieb, sondern treibt nur die Hinterräder an, setzt auf Leichtbau und Abtrieb für schnelle Kurvenfahrten. GT3 und GT3 RS sind ebenfalls auf Rennstrecke ausgelegte Straßenwagen, besitzen jedoch hochdrehende Saugmotoren ohne Turbolader.
Entstehung des GT2 RS
Den ersten 911 GT2 baute Porsche ab 1995 auf Basis des luftgekühlten 993 Turbo als Homologationsversion für den 911-Rennwagen der GT2-Klasse, womit auch der Name erklärt wäre. Damit errang das Roock Racing Team 1996 in Le Mans den Sieg in der GT2-Klasse. Die Straßenversion leistete mit ihrem 3,6-Liter-Sechszylinder-Boxermotor 430 PS und 540 Nm und wog mit 1.295 kg gut 200 kg weniger als der 993 Turbo. Der erste GT2 ist leicht an den genieteten Kotflügelverbreiterungen, der Frontspoilerlippe und dem Heckflügel zu erkennen. 172 Exemplare wurden gebaut. Ab 1998 leistete der 993 GT2 450 PS. Von dieser Variante wurden 21 Fahrzeuge verkauft.
Der erste seiner Art: Porsche 993 GT2.
Die nächste 911-Generation, der wassergekühlte 996, brachte auch einen neuen GT2, der jedoch nicht mehr der Homologation eines Rennwagens diente. Der 996 GT2 startete 2001 mit 462 PS und war der erste Porsche, der serienmäßig eine leichte Keramik-Bremse hatte. Wie beim GT3 war ein Clubsport-Paket erhältlich, mit Überrollkäfig, flammhemmenden Schalensitzen und leichten Carbon-Hauben für Kofferraum und Motor. Ab 2004 leistete der unverändert 3,6 Liter große Sechszylinder-Boxer 483 PS. Während vom ersten 996 GT2 963 Exemplare verkauft wurden, kam der stärkere, bis 2005 gebaute Mk II nur auf 95 Fahrzeuge.
Der 996 GT2 war der erste Porsche, der serienmäßig eine Keramik-Bremse verbaut hatte.
2008 folgte der 997 GT2, der 530 PS leistete und 329 km/h erreichte. 2010 brachte Porsche den auf 500 Exemplare limitierten GT2 RS heraus, mit 620 PS und dank Carbon-Karosserieteilen weniger Gewicht.
Auf 500 Stück limitiert: Der Porsche 997 GT2 RS mit 620 PS.
Der aktuelle 991 GT2 RS
Zuerst konnte man den neuen GT2 RS — einen GT2 ohne RS gab es in dieser Generation nicht mehr — bei der Vorstellung des PC- und Konsolen-Rennspiels Forza Motorsport am 11. Juni 2017 sehen. Die Publikumsprämie feierte der Wagen drei Wochen später beim Festival of Speed in Goodwood. Ende des Jahres wurden die ersten Kundenautos ausgeliefert.
Basis war wieder der 911 Turbo S der Baureihe. Um die Leistung des neuen, jetzt 3,8 Liter großen Sechszylinder-Boxermotors von 580 auf 700 PS zu steigern, verbaute Porsche größere Turbolader. 750 Nm liegen zwischen 2.500 und 4.500 Umdrehungen an. Der GT2 RS wiegt mit 1.470 kg ganze 125 kg weniger als der Turbo S. Das erreicht Porsche durch den Verzicht auf das Allradsystem, die hintere Sitzanlage und Dämmmaterial. Zusätzlich setzt die Marke Leichtbaumaterialien ein: Carbon für Heckflügel, Kotflügel sowie Kofferraum- und Motorhaube. Das Dach besteht aus Magnesium, Seiten- und Heckscheiben aus Leichtbauglas, die Abgasanlage aus Titan.
Der Porsche 991 GT2 RS in den Alpen.
Mit dem Weissach-Paket für 29.750 Euro Aufpreis wird der Wagen noch 30 kg leichter: Magnesiumfelgen reduzieren dann die ungefederten Massen, das Carbondach und weitere Carbonteile bringen zusätzliche Gewichtsersparnis. Kostenlos war dagegen das Clubsport-Paket. Wer es bestellt hatte, bekam einen Überrollkäfig, Sechspunktgurte und einen Feuerlöscher.
Der Innenraum des Porsche 991 GT2 RS: Schalensitze, viel rot, leichte Türschlaufen.
Frontspoiler, Heckflügel, Diffusor und Unterbodenverkleidung verbessern die Aerodynamik, und erzeugen 416 kg Abtrieb und erlauben damit hohe Kurvengeschwindigkeiten. Die Wassereinspritzung der Ladeluftkühlung sorgt für mehr Leistung, der Tank verkleinert jedoch den Kofferraum etwas. Immer dabei sind auch das schnelle Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, die leichte Carbon-Keramik-Bremsanlage und die agile Hinterachslenkung.
Die Maßnahmen sorgen für spektakuläre Fahrleistungen: In 2,8 Sekunden geht es auf 100 km/h. In 8,3 Sekunden auf 200 km/h. Bei 340 km/h regelt der GT2 RS ab, um die Reifen zu schonen.
Den 991 GT2 RS mit Leichtbau-Weissach-Paket erkennt man am Sichtcarbon-Dach mit Mittelstreifen in Wagenfarbe.
Wie fährt sich der 991 GT2 RS?
Tester sprechen von brachialer Beschleunigung und extrem hohen Kurvengeschwindigkeiten. Aber auch die geringen Bedienkräfte, die nicht knüppelharte Federung, die harmonische, eigentlich turbo-untypische lineare Kraftentfaltung und Drehfreudigkeit bis 7.200 Umdrehungen werden gelobt. Jeder könne den GT2 RS fahren, und ihn schnell zu fahren sei kein Kampf, der alle Kraftreserven des Fahrers fordere. Die fehlenden Dämmmaterialien und das Leichtbauglas lassen viel vom schönen Sound der Titanabgasanlage, aber auch von Abrollgeräuschen und kleinstem Rollsplitt im Radhaus hören.
Porsche 991 GT2 RS auf der Rennstrecke: Brachiale Beschleunigung, hohe Kurvengeschwindigkeiten, leichte Beherrschbarkeit.
Das GT2 RS Manthey Kit
2021 hatte Manthey Racing, das mehrheitlich zu Porsche gehört, ein spezielles Kit für den 991 GT2 RS fertigentwickelt. Dabei stand mehr Abtrieb, ein darauf abgestimmtes Fahrwerk, bessere Bremsdosierung und verstärkte Ladeluftkühlung im Vordergrund. Das Set besteht aus 15 Teilen, unter anderem einem Carbon-Unterboden, geändertem Heckflügel, anderem Diffusor, Carbon-Aerodiscs für die Hinterräder, Flaps und anderen Bremsbelägen. Das Manthey-Kit für den GT2 RS kostet 89.144 Euro. Bringt das etwas? Das klären wir jetzt.
Porsche 991 GT2 RS mit Manthey-Kit: Aerodiscs aus Carbon, Flaps, Spoiler, Unterboden, Stahlflex-Bremsleitungen.
Nürburgring-Rekord
Am 20. September 2017 gelang Lars Kern mit 6:47,3 Minuten die schnellste Rundenzeit für straßenzugelassene Sportwagen auf der Nordschleife. Diese wurde von Lamborghini am 26. Juli 2018 mit einem Aventador SVJ mit 6:44,97 Minuten unterboten. Mit dem Manthey-Kit schaffte der 991 GT2 RS am 14. Juni 2021 einen neuen Rekord: 6:43,3 Minuten brauchte Lars Kern für die Runde.
Bis heute schnellster Sportwagen auf dem Nürburgring: 6:43,3 Minuten benötigte Lars Kern im Porsche 991 GT2 RS mit Manthey-Kit
Bis heute ist der GT2 RS damit der schnellste Sportwagen auf der Nordschleife. Nur der 3,27 Millionen Euro teure Supersportwagen Mercedes-AMG One mit Formel-1-Technologie war mit 6:29,090 Minuten schneller.
Preise und Werterhalt
Neu kostete der 991 GT2 RS ab 285.220 Euro. Heute, sieben Jahre später, wird er für rund 380.000 Euro gehandelt — ein gutes Investment also. Die Fahrzeuge wurden allerdings auch nur guten Kunden zugeteilt, um keine Spekulanten zu fördern.
Etwas günstiger kommt man teilweise an die älteren Generationen: So kann man den 996 GT2 teilweise schon für 100.000 Euro kaufen. Den 997 GT2 gibt es ab 150.000 Euro. Der seltene 993 GT2 ist ein echtes Sammlerauto und derzeit nicht unter 1,6 Millionen Euro zu bekommen.
Der 993 GT2 ist zum raren und teuren Sammlerstück geworden.
Wann kommt der nächste 911 GT2 RS?
Der neue GT2 RS dreht schon als GT3 RS getarnt seit einiger Zeit seine Testrunden auf dem Nürburgring. Er wird in der bereits vorgestellten Generation 992.2 kommen. Wie der kommende 911 Turbo und Turbo S baut er wahrscheinlich auf dem T-Hybrid-System des neuen GTS auf, das für deutlichen Leistungszuwachs sorgt. So liegt der 992.2 Turbo S höchstwahrscheinlich bei über 700 PS, und der GT2 RS sollte entsprechend auf über 800 PS kommen.
Wenn man sieht, wie weit Porsche die Aerodynamik im 992.1 GT3 RS weiterentwickelt hat: 860 kg Anpressdruck bei Tempo 285, der aktive Flügel, der beim Bremsen, in Kurven und auf den Geraden mit jeweils anderer Stellung unterstützt, sowie die vom Lenkrad aus einstellbaren Dämpfer, Traktions- und Stabilitätskontrolle. Die Maßnahmen sorgen dafür, dass der GT3 RS mit 525 PS eine Nordschleifenzeit von 6:49,328 Minuten schafft, und ihn das bereits vorgestellte Manthey-Performance-Kit sehr nah an die Rundenzeit des 991 GT2 RS mit Manthey-Kit heranbringen dürfte.
Der Porsche 992.1 GT3 RS mi Manthey-Kit erzeugt 1000 kg Downforce bei 285 km/h.
Allein wenn Porsche für den neuen 992.2 GT2 RS den über 800 PS starken Motor in den GT3 RS einbauen würde, würde er schon alle Rekorde pulverisieren. Aber Porsche wäre nicht Porsche, wenn die neue Generation nicht auch technisch und aerodynamisch die Messlatte noch weiter nach oben legt. Es bleibt also extrem spannend. Wir erwarten den 911 Turbo 2025 und den GT2 RS 2026.
Fazit
Der GT2 war schon immer die Speerspitze der Porsche-Performance und bringt jede Menge Motorsporttechnologie auf die Straße. Gerade der über sieben Jahre alte 991 GT2 RS beweist mit der immer noch schnellsten Sportwagen-Runde auf der Nordschleife, wie weit er seiner Zeit voraus war. Dass sich ein 700-PS-Turbo-Monster ohne Allradantrieb trotzdem leicht fahren lässt, zeigt, wie gut der 911 Traktion aufbaut und wie hervorragend die Porsche-Ingenieure und Entwicklungsfahrer den Wagen abgestimmt haben. Kaum vorstellbar, dass der Nachfolger, der schon in der Boxengasse lauert, das noch besser kann.
Was fasziniert euch am Porsche 911 GT2 RS? Schreibt es in die Kommentare!
Bevor der neue 911 GT3 der Generation 992.2 nächstes Jahr ausgeliefert wird, fahren wir mit dem aktuellen GT3 992.1 über die Rennstrecke – und durch den Wald.