Porsche 911 992.2: Was ist neu beim Facelift?

Porsche 911 Targa 4 GTS 992.2

Porsche hat dem 911 der Generation 992 ein Facelift spendiert. Der neue Typ 992.2 bringt zahlreiche Verbesserungen in Design und Technik. Was ändert sich zum Vorgänger? Welche Modelle wurden bereits vorgestellt? Und ist der Elfer mit Hybrid noch ein echter 911?

2024 zeigt Porsche das Facelift seiner Sportwagen-Ikone 911. Die Baureihe 992, die nun zur 992.2 wird, ist die achte Generation des seit 1964 gebauten Wagens. Kontinuität ist wichtig für den Elfer, denn in den letzten 60 Jahren hat er zwar eine Evolution erlebt und sich technisch und von den Fahrleistungen enorm weiterentwickelt. Er ist sich aber selbst treu geblieben und immer als 911 mit seiner ikonischen Silhouette erkennbar. Auch am Prinzip des 6-Zylinder-Boxermotors im Heck rüttelt der Typ 992.2 nicht. Änderungen und Verbesserungen gibt es aber im Design, Innenraum und am Motor. Einige liebgewonnene Details fielen dabei dem Fortschritt zum Opfer – auch dass der 911 Carrera GTS ein Hybridsystem bekommt, gefällt nicht jedem. Allerdings kommt Porsches Lösung ohne die gängigen Nachteile aus.

Hier geht es zu unserem Test des neuen 911 Targa 4 GTS der Generation 992.2.

Porsche 911 992.2  Targa, Coupé, Cabrio

Der Porsche 911 Typ 992.2 als Targa, Coupé und Cabrio

Design-Updates

Von vorn erkennt man das Facelift vor allem an den fehlenden schmalen Bugleuchten. Alle Lichtfunktionen wurden in die charakteristischen Rundleuchten integriert. Auch das „Vieraugen“-Tagfahrlichtdesign wurde gestrafft. Zudem sorgt eine geänderte Frontpartie für größere Kühlluftöffnungen und verbesserte Aerodynamik.

Designvergleich Porsche 992 und 992.2 Front

Designvergleich Porsche 992 links und 992.2 rechts.

Am Heck haben die Designer das Nummernschild nach oben verlegt, und das Leuchtenband zieht sich jetzt gerade über die ganze Breite. Das Motorraumgitter hat zehn statt 18 Lamellen. Zu den Designänderungen des Porsche 911 992.2 gehört auch das schwarze Heckunterteil mit den Auspuffrohren, das beim Facelift der Schürze des vorherigen GTS ähnelt.

Bei den Farben gibt es ebenfalls neue Optionen gegen Aufpreis: Cartagenagelb, Luganoblau, Schiefergrau Neo und Shadegreenmetallic.

Porsche 911 Carrera 992.2: Höher positioniertes Nummernschild und sportlichere Schürze am Heck.

Technische Neuerungen

Zu den technischen Updates beim Porsche 992.2 gehört beim Einstiegsmodell Carrera der überarbeitete 3,0-Liter-Boxermotor mit Biturbo-Aufladung. Er ist sauberer und mit 394 PS 9 PS stärker als der Vorgänger. Dafür sorgen der Ladeluftkühler aus den Turbo-Modellen und der Turbolader aus dem 992 GTS. Die Fahrleistungen verbessern sich entsprechend: Der neue 911 Carrera benötigt für den Standardsprint mit 4,1 Sekunden 0,1 Sekunden weniger als der Vorgänger. Die Höchstgeschwindigkeit liegt mit 294 km/h 1 km/h höher.

Größere Veränderungen gab es beim 911 GTS. Hier hält das von Porsche entwickelte T-Hybrid-System Einzug. Es handelt sich hier aber nicht um eine Plug-in-Lösung mit großer Batterie und schwerem E-Motor an einer Achse. Stattdessen liefert das clevere T-Hybrid-System genau dann Kraft, wenn der Turbomotor seine noch nicht ganz entfalten kann. Beim elektrischen Abgasturbolader ist eine integrierte E-Maschine zwischen Verdichter- und Turbinenrad platziert, die den Lader beim Anfahren sofort auf Drehzahl bringt und unmittelbar Ladedruck produziert. Ein Turboloch gibt es so nicht. Die E-Maschine arbeitet auch als Generator – überschüssige Ladeluft wird nicht durch ein Wastegate entlassen, sondern in elektrische Leistung umgewandelt und in einer Hochvoltbatterie gespeichert, die nur etwa so groß und schwer ist wie eine normale 12-Volt-Autobatterie. Sie kann bis zu 1,9 kWh Energie (brutto) speichern und arbeitet mit 400 Volt Spannung.

Porsche 911 GTS 992.2 T-Hybrid-System

Porsche 911 GTS 992.2: Das T-Hybrid-System mit Hochvoltbatterie und -leitungen


Einen zweiten E-Motor integrierte Porsche ins Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe. Dort unterstützt er den Boxermotor bereits ab Leerlaufdrehzahl mit einem Antriebsmoment von bis zu 150 Nm. Die Hochvoltbatterie erlaubt es auch, einen Teil des Gewichts und Raums durch die zusätzlichen Elemente an anderer Stelle wieder einzusparen. So kann ein Anlasser entfallen, und die Batterie treibt den Klimakompressor elektrisch an. Insgesamt wiegt der GTS nur 50 Kilogramm mehr als sein Vorgänger. Demgegenüber steht die Mehrleistung von 56 PS, die der T-Hybrid zur Systemleistung von 541 PS beiträgt. Das System macht den Wagen also deutlich schneller und hilft vor allem bei der Beschleunigung, wenn der Motor noch nicht die volle Power liefern kann.

Den 6-Zylinder-Boxermotor aus dem Vorgänger hat Porsche um 0,6 Liter auf 3,6 Liter Hubraum vergrößert. Ohne elektrische Unterstützung leistet er 485 PS und 570 Nm Drehmoment. Das Hochvoltsystem des GTS macht auch ein schneller reagierendes adaptives Fahrwerk möglich. Die Kühlluft wird hier ebenfalls nach Bedarf geregelt: Lamellen in der Bugschürze und im Unterboden sorgen im geschlossenen Zustand für bessere Aerodynamik, bei höherem Kühlbedarf öffnen sie und lassen Luft einströmen.

Porsche 911 Targa 4 GTS 992.2 Lamellen

Porsche 911 Carrera GTS (992.2) mit automatischen Kühlluftlamellen an der Front. (Foto: Marcus Krüger)

Ausstattung und Infotainment

Im Innenraum haben sich nur Details geändert, die allerdings für Diskussionen sorgen. Links neben dem Lenkrad startet der 911 nun nicht mehr über einen Drehschalter, sondern über einen Druckknopf. Nur der GT3 der Baureihe 992.2 besitzt noch den Drehstarter. Auch der analoge Drehzahlmesser des Vorfaceliftmodells ist verschwunden. Das neue volldigitale, leicht gebogene Kombiinstrument erlaubt aber noch die Anzeige der klassischen fünf Rundinstrumente. Eine flächendeckende Navigationskarte hinter dem Lenkrad ist nun ebenfalls möglich. Im 992.2 lassen sich im Stand Streamingdienste oder YouTube über das 10,9 Zoll große Zentraldisplay nutzen.

Porsche 911 Targa 4 GTS 992.2 Cockpit

Porsche 911 992.2 Cockpit mit volldigitalem Kombiinstrument. (Foto: Marcus Krüger)

Bei der Porsche 911 992.2 Ausstattung gibt es nun serienmäßig etwas mehr: So sind die Matrix-LED-Scheinwerfer, die Sitzheizung und der Fahrmodidrehschalter am Lenkrad immer an Bord. Die vorher serienmäßige hintere Sitzbank muss nun allerdings als immerhin kostenlose Option extra ausgewählt werden.

Eine Option auf ein manuelles Schaltgetriebe gibt es nicht mehr. Außer im Carrera T und im GT3 kommen alle 911er mit dem automatischen PDK, das sich bei Bedarf über Schaltpaddel hinterm Lenkrad kommandieren lässt.

Beim GTS gehört die Hinterachslenkung nun zur Serienausstattung.

Porsche 911 Targa 4 GTS 992.2 Startdrücker

Der Porsche 911 der Generation 992.2 wird per Knopfdruck gestartet. (Foto: Marcus Krüger)

Vergleich 992.2 und 992.1

Neben den optischen Veränderungen an Front und Heck, dem Startbutton statt des Drehknopfs und dem volldigitalen, gebogenen Kombiinstrument sind nun Sitzheizung und Fahrmodirädchen am Lenkrad Serie. Es gibt etwas mehr Leistung, beim Carrera 394 statt 385 PS. Gerade beim Carrera halten sich die Unterschiede zwischen Porsche 992 und 992.2 aber in Grenzen. Immerhin haben sich die Fahrleistungen minimal verbessert.

Der GTS hat dagegen mit 541 PS deutlich mehr Leistung als vorher (480 PS). Das dafür verantwortliche leichte T-Hybrid-System haben wir bei den technischen Neuerungen ausführlich beschrieben. Hier beeindruckt die 0-100-Zeit, die sich von 3,4 auf 3,0 Sekunden deutlich reduziert. Die Höchstgeschwindigkeit verbessert sich von 311 auf 312 km/h.

Designvergleich Porsche 992 und 992.2 Heck

Designvergleich Porsche 992 (links) und 992.2 (rechts): Höher positioniertes Nummerschild, geänderte Rückleuchten.

Modelle und Preise

Die Generation 992.2 rollt Porsche nach und nach aus. Vorgestellt haben die Stuttgarter schon die Einstiegsversion 911 Carrera für 128.700 Euro und die leichtere Variante davon mit Handschaltung, den Carrera T, bei dem die Preise ab 141.700 Euro starten. Beide gibt es als Coupé oder gegen rund 14.000 Euro mehr als Cabrio.

Den Carrera T stellen wir hier ausführlich vor.

Der leichte Porsche 911 Carrera T der Generation 992.2 wird von Hand geschaltet.

Der 911 Carrera S leistet als 992.2 nun 480 PS, beschleunigt in 3,5 Sekunden auf 100 km/h und bekommt die Bremse vom GTS. Auch er ist als Coupé (ab 154.800 Euro) oder als Cabrio (ab 168.000 Euro) zu haben.

Den Carrera S stellen wir hier ausführlich vor.

Porsche 911 Carrera S 992 Facelift Coupé Seite

Der 911 Carrera S der Generation 992.2 unterscheidet sich vom schwächeren Carrera wie bisher durch rote Bremssättel.

Der starke GTS mit T-Hybrid kostet ab 170.600 Euro. Er ist als zusätzliche Variante für 192.900 Euro auch als Targa zu haben. Beim Targa treibt der Motor immer alle vier Räder an. Bei den anderen Karosserievarianten des GTS gibt es Allrad für 8.200 Euro als Option.

Vorgestellt wurde ebenfalls der Saugmotorwagen 911 GT3 der Generation 992.2. Der Rennwagen für die Straße kostet ab 209.000 Euro. Das gilt auch für die flügellose Variante Touring. Mit leichten Magnesiumrädern, Schalensitzen, Keramikbremsen und einem leichteren Carbon-Paket mit Überrollkäfig kommen noch einmal 60.000 Euro dazu.

Hier findet ihr die Vorstellung des neuen GT3 mit Touringpaket.

Porsche 911 GT3 und GT3 Touring der Generation 992.2

Es fehlen in der Generation 992.2 also noch die zwischen Carrera und GTS angesiedelte Variante Carrera S, die Topmotorisierungen 911 Turbo und Turbo S, das noch rennstreckenfokussiertere Modell GT3 RS mit Saugmotor sowie der absolute Über-911 GT2 RS, den es als 992 auch vor dem Facelift nicht gab. Es bleibt also spannend, zumal sicher auch noch limitierte Sondermodelle à la 911 S/T oder Sport Classic kommen werden.

Hier waren wir mit dem 911 Turbo S Typ 992 in den Alpen unterwegs.

Ende des 911?

Seit der Vorstellung der 911er-Generation 992 im Jahr 2019 bis zum Facelift — von Porsche „Produktaufwertung“ genannt — 2024 sind fünf Jahre vergangen. Das ist länger als sonst, denn normalerweise kam nach sieben Jahren ein neues 911-Modell und zur Hälfte der Zeit, nach 3,5–4 Jahren, ein Facelift. Entsprechend wird der 992.2 sicherlich noch bis 2029 laufen. Sollte es dabei bleiben, dass ab 2035 keine Verbrennerfahrzeuge mehr in der EU neu zugelassen werden dürfen, könnte sich die Entwicklung einer neuen 911-Generation mit Benzinmotoren für Porsche dann nicht mehr lohnen.

Mit anderen Worten: Der neue 911 mit Facelift (992.2) ist wohl der letzte 911 mit Verbrenner und emotionalem Auspuffsound. Ob ein 911 mit Elektromotor statt 6-Zylinder-Boxer noch als 911 akzeptiert wird, dürfte zumindest unter Petrolheads fraglich sein.

In diesem Video haben wir den 911 Targa 4 GTS mit T-Hybrid der Generation 992.2 getestet.

Wie denkt ihr darüber? Schreibt es gerne in die Kommentare.


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